Coachingpraxis Klemens Lange
Führungskompetenz - Karriereplanung - Organisationsentwicklung
Dipl.-Ing. Klemens Lange - Coach (DCV)
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Coachingpraxis Klemens Lange

 
 
Markt und Trends im Coaching

Klarer Blick auf den Coaching-Markt.

 

 

 

Markt und Trends im Coaching:

Der Coaching-Markt professionalisiert sich

von Klemens Lange

Auf dem Coaching Markt wimmelt es von Scharlatanen. Das behauptet Professor Stefan Kühl, der seit Jahren den Coaching-Markt wissenschaftlich beobachtet. Er behauptet, dass es kaum  Selbstreinigungs-Mechanismen auf dem Coaching-Markt gäbe. Zwar wüssten Insider häufig, welcher Coach fragwürdig sei, aber keiner sage es öffentlich. „Die Scharlatane sind immer die anderen" fasst Stefan Kühl seine Beobachtungen zusammen.

Wie viele Coaches gibt es überhaupt? Dazu kursiert eine Zahl, deren Quelle im Dunkel bleibt: 35.000 Coaches deutschlandweit (das macht 1 Coach auf 2300 Personen). Davon seinen aber nur 5000 bzw. 1/7 professionell, sagt Christopher Rauen, Vorsitzender des Deutschen Bundesverbandes Coaching (wiwo 7.1.09). Heißt das wirklich: Es gibt 30.000 Scharlatane oder Kollegen unter falscher Flagge?

Oder sind dieses Aussagen nur interessengesteuert und nicht belastbar? Stefan Kühl muss seine Forschung verkaufen - seine Studie zum Scharlatanerieproblem hat er für die Deutsche Gesellschaft für Supervision erstellt. Christopher Rauen gelingt es auf beachtenswerte Weise, seinen Namen als Marke für sein Coaching-Unternehmen und für den Coaching Verband ständig im Rampenlicht zu halten.

Auch wenn durch immer mehr Ausbildungen immer mehr Coaches auf den Markt drängen, ist dies noch kein Problem, ist sich Oliver Müller, Vorsitzender des Deutschen Coaching Verbandes sicher (persönliche Auskunft). „Der Bedarf und die Bereitschaft es in Anspruch zu nehmen steigt. In den USA und Großbritannien gibt es, bezogen auf die potenziellen Kunden, 2 bis 3mal so viel Coaches wie in Deutschland." Wie schon jetzt in den USA und Großbritannien werde auch in Deutschland der Einsatz von Coaches breiter werden und sich aus dem Business Bereich herausbewegen, sagt die erfolgreiche Coach-Ausbilderin und Buchautorin Alexandra Schwarz-Schilling. (persönliche Mitteilung).

Viele befürchten daher, dass die Konturen der Profession Coach verschwimmt, bevor sie sich richtig herausgebildet haben.

 

Langfristig reiche eine Coaching-Ausbildung nicht mehr aus, so Schwarz-Schilling weiter. Direkt nach einer ersten Coach-Ausbildung davon zu leben, sei schon jetzt unrealistisch. Um sich im Markt zu profilieren, dazu werden zusätzliche, vertiefende Qualifizierungen in den kommenden Jahren immer wichtiger werden. Schon jetzt sind die Coaches kaum von einander zu unterscheiden.

Womit ein Coach das Attribut „professionell" verdient, das definieren die Coaching-Berufsverbände selbst, es ist niedergelegt in den Aufnahme bzw- Zertifizierungs- und Ethikkriterien der Verbände.

Bisher gibt es nur sehr weniges Coaches, die ausschließlich coachen. Die Coaching-Umfrage-Deutschland 2008 (BCO) liefert dazu folgende Zahlen:

Zwei Drittel aller Coaches wenden weniger als 30% ihrer Jahresarbeitszeit für das Coaching auf und erwirtschaften damit auch nur maximal 30% ihres Gesamteinkommens. Folglich ist es auch nur eine relativ kleine Anzahl von Coachingprozessen pro Jahr: Zwei Drittel aller Coaches führen weniger als 20 Coaching-Prozesse pro Jahr durch.

Der Haupterwerb liegt in den Bereichen Training, Organisationsentwicklung und anderen Beratungsformen.

Verbände bemühen sich um eine Marktordnung

Die Unübersichtlichkeit, die in der Verbandsszene durch eine wachsende Zahl von Berufsverbänden entstanden war, verschwindet inzwischen (Coaching-Lexikon.de): Als ernst zu nehmende Verbände sind vier verblieben: Zum einen der sich sehr elitär gebende Deutsche Bundesverband Coaching DBVC und die drei Verbände Deutscher Coaching Verband DCV, Deutscher Verband für Coaching und Training dvct sowie das deutsche Chapter der International Coach Federation ICF. Der Organisationsgrad der Coaches ist gering. Diese vier Verbände haben zusammen etwa 500 Mitglieder, also weniger als 2 % aller Coaches.

Neben dem natürlichen Gegeneinander im Wettstreit um Mitglieder und Bedeutung haben die Coachingverbände auch einen Ort der Kooperation geschaffen: Den Runden-Tisch der deutschen Coaching Verbände. Dort bemüht man sich zur Zeit um eine Angleichung der Qualitätsstandards und Zertifizierungen.

Oliver Müller vom DCV sieht eine unterschiedliche Bedeutung der Verbands-Zertifizierungen, je nach Marktsegment: Zertifizierungen beeindrucken vor allem Privatkunden, in den KMU, wo Coaching erst Einzug hält, bestehe die Chance, Zertifikate als bedeutsames Auswahlkriterium zu etablieren. Bei großen Unternehmen spielen sie keine Rolle, denn die haben ihre eigenen Auswahlkriterien und -verfahren entwickelt.

Markttrends

Wie sieht es aus in Zeiten der Krise? Kommt das Coaching selbst in die Krise? Nein, behauptet Marius Hansa, Vorsitzender des ICF in Deutschland. Coaching könne in der Krise sogar stärker werden (training aktuell 12/08). Die Unternehmen bräuchten immer bessere Leute, die immer mehr leisten. Thematisch sieht er zwei Trends: Förderung der Leistungsfähigkeit sowie Stärkung der Widerstandsfähigkeit durch innere Balance. Einen weiteren wachsenden Bedarf sieht er in der Unterstützung bei der internationalen Zusammenarbeit.

Den Coaching-Markt aus Sicht der Personalverantwortlichen in Unternehmen hat die Kienbaum-Studie „Coaching von Top-Managern" herausgearbeitet (Kienbaum 2007).

Der Schwerpunkt der Coaching-Anlässe liegt in den befragten gut 200 Unternehmen bei der Begleitung schwieriger Führungssituationen und bei der Übernahme einer neuen Führungsposition. Das Coaching erfolgt zudem oft als Folge von Mitarbeitergesprächen und als Bestandteil von Management Development-Programmen.

Die Diskussion über aktuelle und schwierige Managementprobleme im Rahmen des Coachings ist wichtiger geworden, im Gegensatz zum traditionellen Ansatz der persönlichen Weiterentwicklung mit dem Blick nach Innen. Der Coach wird immer mehr zum mitdenkenden Sparringpartner. Eine reine Prozessberatungs-Kompetenz als Coach reicht nicht mehr aus. Wie in anderen Beratungsfeldern auch, sind integrierende Arbeitsformen gefragt, mit Fach- und Prozesskompetenz des Beraters. 

Wichtig ist, dass der Coach mehrere Beratungs-Ansätze und -Methoden beherrscht. Denn nicht jeder Ansatz eignet sich für jedes Problem. "Ein Coach sollte themen- beziehungsweise problemorientiert und nicht methodenfixiert vorgehen", sagt Achim Mollbach,  Coachingexperte von der Managementberatung Kienbaum (wiwo 18.4.08).

Zudem müsse er in der Lage sein, die Komplexität eines Problems zu verstehen. So entpuppt sich so manche Schwierigkeit bei genauerem Hinsehen als strukturelles Problem des Unternehmens, an dem der Einzelne nichts ändern kann. Sind zum Beispiel die Kompetenzen zweier Abteilungen nicht klar definiert, wird es immer zu Konflikten kommen.

Einkäufer aus kleineren Unternehmen kommen auf den Markt

Die Kienbaum-Studie bezieht sich auf Konzerne und größere Mittelständler. Aber auch in den anderen Bereichen etabliert sich Coaching. Das Angebot auf dem Coaching-Markt werde sich noch stärker auf kleine und mittlere Betriebe verlagern, vermutet Marius Hansa vom ICF (wiwo 7.1.09). Auch im Non-Profit-Bereich und in der Verwaltung wird Coaching noch stärker Fuß fassen, glaubt Oliver Müller vom DCV (persönliche Mitteilung) 

Wenn Coaching als eine sehr individuelle Beratungsform an Boden gewinnt, dann wird das auf Kosten von maßgeschneiderten Trainingsmaßnahmen und zu Gunsten von Standard-Trainings gehen. Müller ist sich sicher, dass es so kommt: Für die Kunden sei dies eindeutig effizienter und kostengünstiger.

Marktgeschehen

Wie finden nun Coach und Kunde auf dem Marktplatz zueinander und wie werden sie handelseinig? Am wenigsten über die Marketingaktionen des Coaches selbst, glaubt Andrea Schäfer, Personalentwicklerin beim Pharmakonzern Merck (w+w 3/09). Entweder spreche man als Personalentwicklerin gezielt Coaches an, auf die man aus seinem Netzwerk und über Empfehlungen aufmerksam geworden sei. Oder man arbeite mit einem Coach-Anbieter zusammen, der über einen qualifizierten Coach-Pool verfüge.

Das ist ein weiterer Trend: Unternehmen kooperieren zunehmend mit Dienstleistern, die mit einem Coaching-Pool auf dem Markt sind und sparen sich so den Aufwand einen eigenen Coach-Pools aufzubauen und zu pflegen.

Angela Schäfer hält, wie auch andere Personalentwickler, folgende Kriterien für die Auswahl von Coaches für sinnvoll:

-      Nachweisbare berufliche Qualifikation im Bereich Coaching (anerkannte Ausbildung, regelmäßige Weiterbildung, Supervision),

-      mindestens zwei Jahre Coaching-Erfahrung mit entsprechend positiven Referenzen,

-      Industrieerfahrung, Führungserfahrung (falls erforderlich) und funktionale Expertise (auch nur falls erforderlich).

Marktpreise

Die tatsächlich gezahlten Honorare sind ein gut gehütetes Geheimnis. Kaum ein Coach macht auf seiner Website oder in seinen Einträgen in Coach-Datenbanken Angaben zu seinen Honorarvorstellungen.

Der Preis spielt allerdings auch kaum eine Rolle. Über den Preis kommt man nicht in den Markt. Entschieden wird nach Qualität, ob die sich nun über Referenzen oder ein ausgeklügeltes Auswahlverfahren definiert.

Es zeichnet sich ab, dass Privatzahler Honorare über 100 € scheuen. Für kleine Unternehmen und Non-profit-Organisationen liegt eine Obergrenze bei 130 €. Im Gegensatz dazu katapultiert man sich bei Konzernen, starken Lobbyverbänden, Top-Managern usw. mit Honorarvorstellungen unter 180 € sofort selbst aus dem Rennen, da man sich damit als Anfänger outet. Und wer lässt schon gerne seine wertvollste Ressource, das Personal, von Anfängern qualifizieren?

(Zum Vergleich, Coaching-Umfrage 2008: Median 140 €/h)

Markt bleibt in Bewegung

Der Coaching-Markt wird in Bewegung bleiben. Es bleibt fraglich, ob wirklich alle das Prädikat „Scharlatan" verdienen, die keine Coaching-Ausbildung haben oder nicht den Professionalitätskriterien der Verbände genügen. Den letztendlich werden die Coaches von den Kunden für gute und hilfreiche Gespräche bezahlt. Und die Coaching-Kunden, die hat keiner gefragt, wann das Honorar ehrlich verdient ist.

Quellen

Online Archive von: coaching-newsletter, loching-lexikon.de (beides Rauen GmbH), wirtschaft und weiterbildung, training aktuell, manager seminare, wirtschaftswoche, eigene Umfrage bei Coach-Kollegen

Coaching-Umfrage 2008 (BCO), Studie Coaching von Top-Managern (Kienbaum 2007)

Recherchestand: März 2009 

 

Autor

 

Klemens Lange ist freiberuflicher Coach (DCV) in Berlin. Er berät (neu ernannte) Führungskräfte und Projektleiter. Organisationen begleitet er beim „Führen mit Gesprächen", bei der Weiterentwicklung ihrer Mitarbeitergespräche als Teil des Managementsystems. Klemens Lange ist Regionalsprecher der Region Ost des Deutschen Coaching Verbandes (DCV).

DCV - Deutscher Coaching Verband e. V.